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Ehrungen zum 150. Todestag von Friedlieb Ferdinand Runge

Oranienburg, den 25.03.2017

Aus Anlass des 150. Todestages des Chemikers, Entdeckers und Erfinders Prof. Dr. Friedlieb Ferdinand Runge, versammelten sich am Sonnabend, 25. März 2017, Bürgerinnen und Bürger zum Gedenken und zur Ehrung an dessen Grabstätte auf dem Oranienburger Stadtfriedhof.

 

Zwischen musikalischer Umrahmung durch Lea Rossow auf der Querflöte machten Anekdoten aus dem Leben des Wissenschaftlers, vorgetragen von Oranienburger Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, und die Rede von Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (siehe > hier im Wortlaut) die besondere Persönlichkeit des unangepassten  Querdenkers Runge plastisch – zu seiner Zeit, so der Bürgermeister, war der kauzige Forscher durchaus dem Spott und der Geringschätzung der Oranienburger Einwohnerschaft ausgesetzt. 

 

Erst sehr spät in seinem Leben erntete Runge den Ruhm, der ihm gebührte – war er doch beispielsweise der Erfinder letztlich so wichtiger Alltagsprodukte wie Stearin- oder Paraffinkerzen, Entdecker des Koffeins oder etwa Wegbereiter der modernen Teerfarbenchemie ...  

 

 

Das Wirken von Friedlieb Ferdinand Runge

 

Das äußerst umfangreiche und kreative Schaffen von Prof. Dr. Friedlieb Ferdinand Runge (geb. am 8.2.1794, gest. am 25.3.1867 in Oranienburg) wirkt bis in unser heutiges Leben.

Runges zahlreiche Schriften – beispielsweise Die Grundlehren der Chemie für Jedermann (1830) oder die Hauswirthschaftlichen Briefe (1866) – trugen wesentlich zur Entwicklung bzw. Aufklärung der Chemie bei.


Mit seinen Publikationen Musterbilder für Freunde des Schönen (1850) und Der Bildungstrieb der Stoffe (1855) schuf er die Grundlagen zur Chromatographie der Farben. Diese so genannten „Professorenkleckse“ wurden das „chemische Wappen“ von Runge.

 

Berühmte Persönlichkeiten, wie Adalbert von Chamisso, Hoffmann von Fallersleben, Adolf Glaßbrenner, zählten zu seinem Freundeskreis.

 

Nachdem ihm Johann Wolfgang von Goethe Kaffeebohnen geschenkt hatte (1819), entdeckte Runge darin das Koffein.

 

In Oranienburg machte er seine bedeutendsten Entdeckungen: Anilin und Phenol im Steinkohlenteer (1834), Palmöl-Soda-Seife (1833), Stearin- und Paraffinkerzen (1835/1840), Blauholztinte (1847) und vieles andere mehr.


Spuren des bedeutenden Chemikers finden sich noch heute in unserer Stadt: Neben einem Denkmal und einem Raum im Oranienburger Schloss tragen auch eine Straße, die örtliche Buchhandlung sowie das älteste Gymnasium der Stadt seinen Namen. 

 

Auch eine neue Wanderausstellung des Kreismuseums Oberhavel im Gymnasium Friedlieb Ferdinand Runge in der Willy-Brandt-Str. 20 (gegenüber vom Bahnhof) dokumentiert sein Wirken und zeigt sog. »Professorenkleckse«, die von Rungeschülern im Unterricht gestaltet wurden – diese können bis 21.07.2017 dort angeschaut werden, später auch andernorts (z. B. im Anschluss daran im Verwaltungstrakt des Schlosses).  Das Kreismuseum Oberhavel im Schloss bietet zudem Sonderführungen zum Wirken Runges.

 

>> Hier können Sie zudem den Flyer »Friedlieb Ferdinand Runge (1794–1867) – Chemiker, Entdecker und Erfinder« als PDF-Datei herunterladen.

 

 


 

Rede des Bürgermeisters

der Stadt Oranienburg, Hans-Joachim Laesicke,

zum 150. Todestag von Friedlieb Ferdinand Runge
am 25. März 2017

im Wortlaut

Der Wegbereiter der modernen Teerfarbenchemie, Professor Dr. Friedlieb Ferdinand Runge, lebte und wirkte von 1832 bis zu seinem Tod vor 150 Jahren am 25.März 1867 in Oranienburg.

Dass wir uns heute hier an seinem Grab versammelt haben, um ihn zu ehren, hat nicht nur damit zu tun, dass der als Universalgelehrter geltende Wissenschaftler Oranienburgs Industriegeschichte entscheidend mitgeprägt hat sondern dass mit ihm auch der Siegeszug der Chemie und die industrielle Revolution in Deutschland verbunden bleiben.

Friedlieb Ferdinand Runge ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass die größten Innovationen oft von denen ausgehen, die unkonventionell sind und neue Wege beschreiten, statt ausgetretenen und bewährten zu folgen.

 

Seine Persönlichkeit lehrt uns auch 150 Jahre nach seinem Tod, dass wir weder damals noch heute Menschen auf ihre Äußerlichkeiten reduzieren dürfen sondern gerade denen aufgeschlossen und interessiert begegnen sollten, die unangepasst sind.

 

Es ist einfach, sich heute mit Runges Errungenschaften zu brüsten: Unsere Stadt entwickelte sich durch Runges Wirken zu einem der bedeutendsten Zentren der chemischen Industrie in Deutschland.

 

Er arbeitete als technischer Leiter der Chemischen Produktenfabrik Oranienburg und entdeckte im Steinkohleteer, einem Abfallprodukt, das Anilin und die Karbolsäure, heute besser als Phenol bekannt.

Seine bahnbrechende Forschung legte den Grundstein für die moderne Farbenindustrie.

 

Auch die erste Stearinkerze wurde von ihm entwickelt.

Sie trat von Oranienburg aus ihren Siegeszug in die Welt an.

Wer ihn deshalb in den Elfenbeinturm der Wissenschaft heben möchte, wird dem Menschen Runge nicht gerecht.

 

Er war weit mehr – er war auch ein Außenseiter, der nicht in die Atmosphäre des kleinbürgerlich-provinziellen Oranienburgs Mitte des 19. Jahrhunderts passte.

Seine langen zotteligen Haare und sein monatelanger Rückzug aus der Gesellschaft, um mit dem stinkenden Steinkohleteer zu forschen, wurde von Vielen abschätzig betrachtet.

 

Der nimmermüde, kauzige Forscher war bei seinen Zeitgenossen nicht unbedingt beliebt. „Dr. Gift“ nannten sie ihn.

Im Alter von 66 Jahren kündigte man Friedlieb Ferdinand Runge gar seine Wohnung.

 

Lange war er Spott und Geringschätzigkeit ausgesetzt.

Nur wenige Freunde standen vor seinem späten Ruhm zu ihm.

 

Umso erfreulicher ist es, dass langjährige Ignoranz und Skepsis in der Fachwelt als auch in der breiten Öffentlichkeit sich noch vor seinem Ableben in Anerkennung und Wertschätzung wandelten.

 

Friedlieb Ferdinand Runges Beispiel soll uns bewusst machen, dass jede Stadt, jede Gesellschaft, für ihre positive Entwicklung unangepasste Menschen benötigt, von denen Impulse ausgehen, die mutige Fragen stellen, die mitunter unbequem sind.

 

Heute ist – wie wir hoffen – Oranienburg anders.

Zumindest geht unser Bemühen dahin.

 

Daher wünsche ich mir, dass inzwischen Querdenker oder Normabweichler in unserer Stadt die Toleranz und Unterstützung finden, die Runge damals von seinen Zeitgenossen versagt blieb.

 

 

 

 

Fotoserien zu der Meldung


Gedenken zum 150. Todestag von Friedlieb Ferdinand Runge (27.03.2017)

Aus Anlass des 150. Todestages des Chemikers, Entdeckers und Erfinders Prof. Dr. Friedlieb Ferdinand Runge, versammelten sich am Sonnabend, 25. März 2017, Bürgerinnen und Bürger zum Gedenken und zur Ehrung an dessen Grabstätte auf dem Oranienburger Stadtfriedhof.

 

Zwischen musikalischer Umrahmung durch Lea Rossow auf der Querflöte machten Anekdoten aus dem Leben des Wissenschaftlers, vorgetragen von Oranienburger Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, und die Rede von Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke die besondere Persönlichkeit des unangepassten  Querdenkers Runge plastisch – zu seiner Zeit, so der Bürgermeister, war der kauzige Forscher durchaus dem Spott und der Geringschätzung der Oranienburger Einwohnerschaft ausgesetzt. Erst spät erntete er den gebührenden Ruhm für seine zahlreichen Entdeckungen, die bis heute unser Leben beeinflussen. [zum Artikel]