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21.05.2024

Gut entsorgt – Der Entwässerungsbetrieb Oranienburg (EBO) kümmert sich ums Abwasser

Ob Dusche, Toilette oder Spülmaschine: Mehr als 100 Liter Schmutzwasser spülen wir in Deutschland pro Kopf und Tag in den Abfluss. Verschmutzt mit Klopapier, Duschgel, Fäkalien und anderem. Ab durch den Abfluss – aus den Augen, aus den Sinn. Doch was passiert eigentlich mit dem Weggespültem? Es ist der Entwässerungsbetrieb Oranienburg (EBO), der seit 1994 das Abwasser der Oranienburgerinnen und Oranienburger sammelt und über Druckleitungen an das Hauptpumpwerk in Pinnow weiterleitet. Von dort gelangt es weiter zum Klärwerk Wansdorf, wo es gereinigt und wieder zurück in die Gewässer geleitet wird.

Insgesamt sind rund 15.000 Grundstücke an das Schmutzwassernetz des EBO angeschlossen. Nur die Ortsteile Schmachtenhagen, Zehlendorf und Wensickendorf sind nicht beim EBO angegliedert. Das gesamte Netz ist, gut verborgen in der Erde, sage und schreibe 195 Kilometer lang. „Mehr als zwei Millionen Kubikmeter Schmutzwasser werden hier jährlich durchgeleitet“, weiß Beate Kelling, stellvertretende Leiterin des EBO. Mit dieser Menge ließe sich fast der komplette Lehnitzsee befüllen. Den größten Anteil macht das häusliche Schmutzwasser aus. Danach folgen große Industrieunternehmen. Das Leitungsnetz sauber und instand zu halten ist aufwendig. Zwei Spül- und Saugfahrzeuge sind täglich im Einsatz.

„Das hat sicher jeder schon mal gesehen. Der Schachtdeckel, umgangssprachlich Gullydeckel genannt, wird hochgenommen, um dann mit einem langen Schlauch den Kanalisationsbereich durchspülen und von Schlamm und Dreck befreien zu können“, erklärt Beate Kelling. Das Schmutzwasser ist permanent in Bewegung und wird nahtlos weitertransportiert - so lange, bis es sein Ziel erreicht hat. Dafür sorgen auch die rund 100 Pumpwerke im Entwässerungsnetz. Damit das problemlos funktioniert, ist es wichtig, dass wirklich nur das in der Toilette landet, was auch dort hingehört. „Von Melonenschalen, Tiereinstreu über Feuchttücher und Windeln bis hin zu ganzen Gardinenstücken. Manchmal fragen wir uns, wie manche Leute bestimmte Dinge überhaupt heruntergespült bekommen“, so Beate Kelling. Derartige Fremdmaterialien wickeln sich um das Schneidwerk der Pumpen und verstopfen diese. Mühselig müssen sie ausgebaut und gereinigt werden, das kostet Zeit und Geld und kommt bis zu zehnmal im Monat kommt vor.

Etwa 2500 Grundstücke gibt es im Stadtgebiet, die noch nicht an das Leitungsnetz angeschlossen sind. Ihr Schmutzwasser wird am Haus in Sammelgruben aufgefangen. Auch darum, dass der Inhalt abtransportiert wird, kümmert sich der EBO. Über ein separates, 49 Kilometer langes Leitungsnetz sammelt der EBO zudem in bestimmten Ausnahmefällen auch Regenwasser von Grundstücken und leitet es in Gewässer oder Versickerungsanlagen weiter. Zu guter Letzt fällt teilweise auch die Straßenentwässerung in die Hände des EBO, hauptzuständig ist aber das städtische Tiefbauamt.

Nachdem die langjährige EBO-Leiterin vor kurzem in den Ruhestand gegangen ist, wird derzeit eine Nachfolge gesucht. Bis die Stelle besetzt ist, übernimmt nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung am 13.5. Bürgermeister Alexander Laesicke interimsmäßig die Werkleitung – ohne zusätzliche Vergütung, im Rahmen der eigentlichen Tätigkeiten. In den vergangenen Wochen konnte er sich bereits einen intensiven Einblick verschaffen. „Die wenigsten machen sich überhaupt nur Gedanken darüber, wie unsere Abwässer wie von Zauberhand verschwinden. Dahinter stehen aber ein komplexes System, viel Know-how und ein starkes Team. Ich hoffe zwar, dass wir die Stelle des Werkleiters möglichst schnell wieder besetzen können, freue mich aber auch über meine Rolle in der Übergangszeit. Es gibt viel zu tun und auch einiges zu erneuern. Wie langweilig wäre aber das Leben, wenn alle Herausforderungen schon gelöst wären.“

Der EBO ist ein Eigenbetrieb der Stadt Oranienburg und arbeitet eng mit den Oranienburger Stadtwerken zusammen. Diese unterstützen insbesondere im technischen Bereich. Ausführlichere Informationen gibt es zum Nachlesen unter www.stadtwerke-oranienburg.de/abwasser.