280.000 Euro für die Neugestaltung des Gedenkortes KZ Oranienburg
Aus mehr als 100 Bewerbungen hat sich das Projekt rund um die Neugestaltung des Gedenkortes KZ Oranienburg beim Bundesförderprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" durchgesetzt. Eine dicke Finanzspritze kommt damit nach Oranienburg und dem Projekt zugute.
Über 100 Bewerbungen für das bundesweite Förderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ gingen beim Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ein. Als eine von deutschlandweit 17 Städten setzte sich auch Oranienburg durch und kann nun 280.000 Euro in die Neugestaltung des Gedenkortes KZ Oranienburg stecken. Anlässlich des 75. Geburtstages des Grundgesetzes sollten mit dem Programm in diesem Jahr vornehmlich Orte der Demokratiebildung und der Erinnerung gefördert werden.
Förderung für herausragende Projekte
Mit dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ fördert der Bund seit 2014 Vorhaben mit besonderer nationaler bzw. internationaler Wahrnehmbarkeit, mit hoher baukultureller Qualität, überdurchschnittlichem Investitionsvolumen sowie hohem Innovationspotenzial. Die Projekte setzen in der Regel wichtige Impulse für die Kommune, die Region und die Stadtentwicklungspolitik insgesamt. Das Oranienburger Projekt gehört nun zu diesem exklusiven Kreis bedeutsamer Vorhaben des Städtebaus. „Es ist wichtig und gut, diesen Ort als bewussten Bestandteil des täglichen Lebens in Oranienburg sichtbar und wahrnehmbar aufzuwerten, als Ort des Stutzens, des Nachdenkens und des Dialogs. Gerade jetzt, in einer Zeit wachsenden Antisemitismus’, Angriffen auf die Menschenwürde und auf unsere Grundrechte ist es umso notwendiger, der geschichtlichen Wahrnehmung und Verantwortung sichtbar Ausdruck zu verleihen“, so Ariana Fäscher (SPD), die direktgewählte Bundestagsabgeordnete für den Landkreis Oberhavel und das östliche Havelland.
Einweihung voraussichtlich im Frühsommer 2026
Eine rund 60 Meter lange historische Mauer in der Berliner Straße ist der letzte Überrest des KZ Oranienburg. Seit einiger Zeit arbeitet die Stadt auf Initiative engagierter Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit der Stiftung Brandenburgischer Gedenkstätten daran, den seit DDR-Zeiten bestehenden Gedenkort neuzugestalten. Dafür hat die Stadt einen Architekten beauftragt, der in Zusammenarbeit mit einem Historiker bereits einen Entwurf für die Neugestaltung vorgelegt hat. Mit Bildern und Texten auf Stelen soll vor der historischen Mauer die Geschichte des KZ Oranienburg, seiner Insassen und der dort zu Tode gekommenen, darunter der Schriftsteller Erich Mühsam, erzählt und ihrer gedacht werden. Schreitet das Projekt planmäßig voran, kann der neugestaltete Gedenkort im Frühsommer 2026 eingeweiht werden. „Den Ort nun baulich und mit einer Ausstellung neu erfahrbar mach zu können, ist ein großer Schritt für unsere Gedenkarbeit und die künftige Erinnerungslandschaft Oranienburgs“, so Baudezernent Dr. Eric M. Tenz, in dessen Zuständigkeit das Projekt liegt. „Dass der Bund das Vorhaben nun finanziell fördert, zeigt, wie wichtig und richtig es ist, den bestehenden Erinnerungsort würdig neu zu gestalten und für die politische Bildungsarbeit zu erschließen.“
Hintergrund KZ Oranienburg
Das KZ Sachsenhausen war nicht das erste Konzentrationslager im Stadtgebiet. Bereits 1933 wurde das KZ Oranienburg als erstes Lager seiner Art in Preußen eingerichtet. In der Berliner Straße auf dem Gelände einer früheren Brauerei wurden vor allem politische Gegner des NS-Systems, speziell Sozialdemokraten und Kommunisten, aber auch jüdische Gefangene inhaftiert. Die Nazis nutzten das KZ als Propagandastandort, um unter anderem internationalen Besuchern die vermeintlich „mustergültigen“ Haftbedingungen zu präsentieren. Die Einrichtung bestand zwei Jahre von 1933 bis 1934.


