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22.10.2025

Bau der neuen Schleuse Friedenthal startet

Es ist ein Quantensprung für den Wassertourismus: Der Neubau der Friedenthaler Schleuse. Mit ihr werden die Oranienburger Havel und der Schlosshafen wieder an die Ruppiner Gewässer angeschlossen - freie Fahrt also Richtung Norden für alle Freizeitkapitäne. Nun erfolgt der langersehnte Baubeginn.

Es ist in seiner Dimension ein fast einmaliges Infrastrukturprojekt für die Stadt Oranienburg: Die Wiederherstellung der ehemaligen Schleuse Friedenthal, wodurch die einstige Verbindung zwischen dem Ruppiner Kanal und der Oranienburger Havel wieder passierbar wird. In der kommenden Woche ist Baubeginn. Zunächst wird die Baustelle eingerichtet, weiter geht es dann mit dem Aushub, ab Mitte November werden die Spundwände gesetzt und der offizielle Spatenstich begangen.

Umfangreiche Vorarbeiten und Kampfmittelräumung

„Es ist großartig, dass wir nun endlich loslegen können, für den Wassertourismus in und um Oranienburg sind das tolle Neuigkeiten“, so Bürgermeister Alexander Laesicke. „Schon bis hierher war es ein echtes Mammutprojekt, das von der Stadtverwaltung und den beteiligten Firmen gestemmt wird.“ Der Rückbau der alten Schleuse war aufwendig und wurde vom städtischen Tiefbauamt koordiniert. Zudem waren vor Ort umfangreiche Kampfmittelräumarbeiten erforderlich, die mehrere Jahre in Anspruch genommen haben, in enger Abstimmung mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oder-Havel (WSA) erfolgten und in die der Bund 13,6 Millionen Euro gesteckt hat. Gleich drei Großbomben wurden gefunden und entschärft, darunter die beiden am tiefsten gelegenen, die je in Oranienburg aufgespürt wurden. Zusätzlich zu den drei Großbomben wurden 15 Stabbrandbomben, 1 Granate, 2 Nahkampfmittel, 4 Waffen und mehrere Bombensplitter geborgen.

Automatisierter Schleusenbetrieb

Die Schleuse Friedenthal wird als 41,5 Meter lange und 6 Meter breite Kammerschleuse in Spundwandbauweise mit zweiflügeligen Stemmtoren aus Stahl wiederhergestellt. „Sie wird für den automatisierten, selbstbedienbaren Schleusenbetrieb mit Fernüberwachung ausgerüstet. Die Fernüberwachung erfolgt vom Schlosshafen aus“, erklärt Stefan Gebhard, Leiter des Tiefbauamtes.

Der Bau umfasst neben der Errichtung der eigentlichen Schleuse auch die Herstellung der Zuwegung, der Vorhäfen sowie einer Schleusenquerung in Form einer Betriebsbrücke. Außerdem muss die Havel in Teilen ausgebaggert werden, um den Untergrund auf eine einheitliche, schiffbare Höhe auszuheben. Laufen die Arbeiten nach Plan, kann die Schleuse voraussichtlich im November 2026 eröffnet werden.

Förderung durch Bund und Land

Die Kosten für den Wiederaufbau der Schleuse Friedenthal liegen bei rund 33,7 Millionen Euro. Darin eingeschlossen sind auch die Planungskosten, die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sowie die Kampfmittelräumung inklusive Planung. Das Vorhaben wird finanziell durch den Bund, vertreten durch das WSA Oder-Havel, gefördert – der Wiederaufbau der Schleuse mit 50 Prozent, die Nassbaggerarbeiten sowie die Kampfmittelsuche sogar zu 100 Prozent. Das WSA Oder-Havel wird die Stadt Oranienburg auch weiter technisch beraten und die Schnittstelle zur Anbindung an das Netz der Bundeswasserstraßen bleiben. Darüber hinaus beteiligt sich das Land Brandenburg, vertreten durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg, an der Finanzierung zum Wiederaufbau der Schleuse Friedenthal und unterstützt die Stadt Oranienburg mit weiteren knapp 3,1 Millionen Euro.

Rund um das Bauprojekt sind zahlreiche Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen. Bereits abgeschlossen ist die Renaturierung des nahen gelegenen, ehemaligen Biberfarm-Geländes. Das 16.000 Quadratmeter große Areal wurde komplett entsiegelt und Stück für Stück der Natur zurückgegeben. Unter anderem sind ein Kleingewässer, Vogelbrutstätten, neue Habitatsflächen – Lebensraum, in dem sich vor allem Tiere wie Frösche, Lurche und Eidechsen wohl fühlen – Blühwiesen und neue Bäume entstanden.

Hintergrund Schleuse Friedenthal:

Freie Fahrt in Richtung Norden: Die alte Friedenthaler Schleuse, 1879 erbaut, war 1959 stillgelegt und zugeschüttet worden. Mit dem Neubau der Schleuse werden die Oranienburger Havel und der Schlosshafen wieder an die Ruppiner Gewässer angeschlossen – ein Quantensprung für den Wassertourismus. Boote, deren Ziel die Ruppiner Gewässer sind, mussten bislang die Schleuse Pinnow südlich von Oranienburg passieren.

Die Errichtung der Schleuse Friedenthal ist gefördert aus Mitteln des Bundes und des Landes Brandenburg im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsinfrastruktur - GRW-Infrastruktur“.