Modellregion für die Bombensuche wird fortgeführt
Vor rund fünf Jahren wurde Oranienburg in Sachen Bombensuche zur Modellregion erklärt. Nun zeigt eine Evaluation: Die Modellregion ist ein Erfolgsprojekt, soll fortgeführt werden und in eine Kompetenzregion weiterentwickelt werden.
Mehr Geld, mehr Kompetenzen und mehr Personal für den Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg (KMBD) und seinen Einsatz vor Ort in Oranienburg: Das war der Kern der Modellregion, zu der die Stadt vor mehr als fünf Jahren erklärt wurde und der die systematische Kampfmittelsuche noch einmal weit vorangebracht hat. Nun hat das Land den Evaluationsbericht vorgelegt und dieser zeigt, der Weg hat sich bewährt. Die Beseitigung von Bomben konnte verbessert und beschleunigt werden. Aus diesem Grund empfiehlt das Land, die an den Kampfmittelbeseitigungsdienst übertragenen, erweiterten Aufgaben und Zuständigkeiten beizubehalten und die Modellregion Oranienburg in eine Kompetenzregion zu überführen.
Stadt Oranienburg begrüßt Fortführung
„Die Modellregion, ein deutschlandweit einmaliges Pilotprojekt, war ein Meilenstein für die Kampfmittelsuche in Oranienburg und hat die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land noch enger werden lassen“, so Bürgermeister Alexander Laesicke. „Deshalb begrüße ich sehr, dass die Modellregion nicht nur fortgeführt, sondern in eine Kompetenzregion überführt werden soll. Nun muss es darum gehen, diesen Begriff mit Leben zu füllen und zu konkretisieren.“
„Ein Teil der zusätzlichen Mittel des Landes floss bisher in die Erstattung der sehr aufwändigen Grundwasserabsenkung und –haltung. Es ist wichtig, dass diese Kosten auch künftig teilweise erstattet werden“, so Stefanie Rose, Leiterin des Dezernats für Bürgerdienste, wo das Sachgebiet Kampfmittel angesiedelt ist. „Außerdem werden wir weiterhin die Gespräche auf Bundesebene suchen müssen. Nach dem Auslaufen der Bundesrichtlinie, die zusätzlich Geld bereitstellte für die Munitionssuche der Länder, braucht es für die besondere Belastung in Oranienburg auch besondere Wege der finanziellen Unterstützung. Es kann nicht sein, dass das kleinste Glied im föderalen System den vergleichsweise größten Anteil an der Bewältigung einer Generationenaufgabe zu tragen hat.“
Bomben - Oranienburgs Schicksalsproblem
Bomben sind Oranienburgs Schicksalsproblem. Keine andere deutsche Stadt ist nach jetzigem Wissensstand derart von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg betroffen. Das liegt vor allem an dem überdurchschnittlich hohen Anteil chemischer Langzeitzünder, mit denen auf Oranienburg niedergegangene Bomben ausgestattet waren. Viele dieser Bomben detonierten nicht, schlummern aber noch immer im Oranienburger Boden. Seit 1991 wurden in der Stadt schon mehr als 230 Bomben aufgespürt und aus der Erde geholt.
2019 wurde Oranienburg Deutschlands erste Modellregion. In keiner anderen Kommune bekam der Kampfmittelbeseitigungsdienst damit solch weitreichende Kompetenzen wie in Oranienburg. Die Behörde ist hier seither als Sonderordnungsbehörde tätig, bekam per Gesetz mehr Befugnisse, 13 zusätzliche Stellen sowie eine millionenschwere, finanzielle Aufstockung. Zudem erhielt das Team eine geräumigere Außenstelle in der Hans-Grade-Straße. Die Generationenaufgabe der Bombensuche nahm damit nochmals deutlich an Fahrt auf.
Bombensuche wird schwieriger
Mehr als 200 Bomben werden noch im Oranienburger Boden vermutet und können noch immer detonieren, wenn sie mit einem chemischen Langzeitzünder ausgestattet sind. Gleichzeitig wird die Bombensuche immer komplexer. Die noch ausstehenden Verdachtspunkte lassen sich nicht mehr so schnell und unkompliziert abklären. Sie liegen beispielsweise sehr tief, in kontaminierter Erde oder auf bebauten Flächen. Zufallsfunde bei Bauarbeiten werden immer seltener. Das Entschärfen geht meist schnell. Das Freilegen der Bomben ist mittlerweile die viel größere Herausforderung. Deshalb braucht es auch weiter die vereinten Anstrengungen von Kommune, Land und Bund bei der Beseitigung der Oranienburger Bomben.


