Neues Leben für eines der ältesten Häuser in der Innenstadt: »Haus der Familie Grieben« eingeweiht
Was vor wenigen Jahren innen wie außen noch ziemlich ramponiert aussah, ist ein echtes Prachtstück geworden: Das denkmalgeschützte, mehr als 300 Jahre alte Gebäude in der Sachsenhausener Straße 2. Mit architektonischer Begleitung wurde es äußerst behutsam rundum saniert und wird als kommunale Begegnungsstätte das Gemeinwesen der Stadt bereichern.
Am 11. Dezember 2025 wurde das Gebäude offiziell eingeweiht und auf den Namen »Haus der Familie Grieben« getauft. Mit dabei waren zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus der Stadtverordnetenversammlung und der Stadtverwaltung.
„Ich freue mich, dass wir diesem historisch bedeutsamen Gebäude neues Leben einhauchen konnten“, so Bürgermeister Alexander Laesicke, der gemeinsam mit dem stellvertretenden Stadtverordneten-Vorsteher Pascal Mundt das Namensschild am Eingang enthüllte. „Nachdem schon das benachbarte Regine-Hildebrandt-Haus nach einer bedeutenden Persönlichkeit benannt ist, war es naheliegend, auch hier die Möglichkeit zu nutzen, eine Person unserer Stadt zu würdigen und an das Wirken einer für die medizinische Versorgung und das Gemeinwohl der Stadt engagierten Familie zu erinnern.“
Der Oranienburger Stadtverordnete Thomas Ney hatte ausführlich die Geschichte des Hauses recherchiert: Es wurde 1883 von Dr. Matthias Ossowidzki, der auch gemeinnützig aktiv war und dem Oranienburger Museum seine bedeutende Kunstsammlung stiftete, erworben und seither als Arztpraxis betrieben.
Bis in die frühen 1980er Jahre gehörte das Haus der Familie Grieben, zuletzt Dr. Irena Grieben. Sie erhielt nach dem Zweiten Weltkrieg die Erlaubnis, die Praxis ihres Bruders weiter zu betreiben. Neben ihrer eigenen Praxis war sie zudem auf der Entbindungsstation des Oranienburger Krankenhauses tätig, baute ehrenamtlich die Säuglingsfürsorge auf und betreute Kinderkrippen und Kindergärten im gesamten Kreis Oranienburg. Sie engagierte sich zudem für den Aufbau des 1961 errichteten Kinderkrankenhauses in der Germendorfer Allee, deren Chefärztin sie bis zu ihrer Pensionierung 1972 war. Ihre eigene Praxis betrieb sie noch zehn weitere Jahre bis zu ihrem endgültigen Ruhestand 1982. Für ihre langjährigen Verdienste erhielt sie 1973 den Ehrentitel „Sanitätsrat“.
Obwohl Irena Grieben auch nach dem Mauerbau mehrfach Gelegenheit hatte, im Westen zu verbleiben, nahm sie aus Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein ihre Funktionen wahr und genoss hohe Anerkennung in der Oranienburger Bevölkerung. Trotz ihrer Verdienste musste Irena Grieben 1978 auf Druck der Behörden weite Teile ihres Grundstücks an die Stadt abtreten, da diese dort ein Neubaugebiet – der heutige Boulevard – errichten wollte. Von dem einst weitläufigen Grundstück blieb ihr lediglich das bis heute erhaltene Haus. Daraufhin entschied sich Irena Grieben 1983, die DDR zu verlassen. Hätte sie die DDR vor dem Mauerbau oder bei einer ihrer Westreisen durch Flucht verlassen, hätte die Familie das Haus in der Sachsenhausener Straße 2 gemäß Einigungsvertrag zurückerhalten. Dadurch, dass sie die DDR aber legal verließ, musste Irena Grieben die Immobilie zuvor dem Staat überlassen, wodurch das Haus endgültig verloren war.
Neue Räumlichkeiten für engagierte Menschen in Oranienburg
Das frisch sanierte Haus bietet Räumlichkeiten für die vielen engagierten Menschen in den Bereichen Freizeit, Kultur und Ehrenamt. Nach einem Tag der offenen Tür am 26. Januar 2026 wird das »Haus der Familie Grieben« in die Hände der Nutzerinnen und Nutzer übergeben. In der Sachsenhausener Straße 1 existiert bereits das Regine-Hildebrandt-Haus, das ebenfalls als städtische Begegnungsstätte von vielen unterschiedlichen Gruppen zu kulturellen, kreativen und sportlichen Zwecken genutzt wird.
2022 startete die Sanierung des teilunterkellerten Hauses inklusive des ausgebauten Dachgeschosses. Ob Fachwerkfassade, Stuckelemente an der Decke, Öfen, die vermutlich mehrere hundert Jahre alt sind oder originale Innenwände, die dort zum Vorschein kamen, wo die Tapete abblätterte: Ziel war es, möglichst viel von der Bausubstanz zu erhalten. Da, wo es ging, wurden Bestandteile des Hauses, wie zum Beispiel Zimmertüren oder Treppengeländer, aufgearbeitet statt ersetzt.
Die Planungs- und Baukosten für die Sanierung des stadtbildprägenden Gebäudes beliefen sich auf rund 1,7 Millionen Euro, die fast vollständig aus Städtebau-Fördermittel vom Bund getragen wurden. 43.200 Euro hat der Landkreis Oberhavel übernommen.


