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29.05.2026

Trauer um den Historiker Bodo Becker - Ein Nachruf von Manuela Vehma


Der in der Region bekannte Historiker Bodo Becker ist tot. Er verstarb am 22. Mai im Oranienburger Hospiz „Lebensklänge“ im Alter von 77 Jahren nach schwerer Krankheit.

Im Jahre 1948 in Berlin geboren, absolvierte er nach seiner Schulzeit zunächst eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Nach seinem Fachschulstudium, das er als Diplom-Dokumentar abschloss,  begann er 1973 seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentralinstitut für Geschichte an der Akademie der Wissenschaften der DDR. Von 1977 bis 1982 folgte ein Studium der Geschichtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, mit dem er den akademischen Grad Diplom-Historiker erlangte. Nach Abwicklung der Akademie der Wissenschaften 1991, arbeitete er bis zu seinem Renteneintritt in der 1992 neukonstituierten Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Bodo Becker war ein Historiker, der sein Wissen und seine Forschungsergebnisse weniger in akademischen Abhandlungen für die Fachwelt veröffentlichte. Vielmehr war es ihm wichtig, die Geschichte einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen. So entwickelte er sich zu einem leidenschaftlichen Heimatforscher und Ortschronisten, nicht nur für seinen Heimatort Lehnitz, sondern auch für Oranienburg. Was Lehnitz anbetrifft, so gab es vor Bodo Becker unumstritten niemanden, der sich derart gründlich mit der Geschichte des Ortes befasst und diese in Publikationen, einer Vielzahl an Zeitungsbeiträgen, vor allem für den Oranienburger Generalanzeiger,  und als „Lehnitzer Geschichten“ für die Internetseite „Unser Lehnitz“ verfasst hat. Ein besonderes Anliegen war ihm, die Geschichte des Jüdischen Erholungsheims, das ab 1934 unter der Leitung von Frieda Glücksmann stand, zu erforschen und bekanntzumachen.  Aus seinen Forschungsergebnissen entstand in Zusammenarbeit mit dem damaligen Kreismuseum Oberhavel eine Ausstellung, die im Jahre 2005 eröffnet worden ist. Anlässlich der Ausstellungseröffnung  wurde im Beisein von Familie Glücksmann die Lehnitzer Lessingstraße in Frieda-Glücksmann-Straße umbenannt. In der Reihe „Jüdische Miniaturen“ erschien beim Verlag Hentrich & Hentrich 2012 schließlich die Buchpublikation von Bodo Becker zu dieser Einrichtung mit ihrer äußerst interessanten und wechselhaften Geschichte.

Einen wichtigen Forschungsschwerpunkt legte Bodo Becker auch auf die Geschichte der Stadt Oranienburg. Er publizierte zu etlichen historischen Gebäuden, wie zum 1704 errichteten Amtshaus am Schlossplatz (ab 1949 „Goethe-Schule“, 1974 abgerissen), dem alten Rathaus von 1711, später bekannt als „Hotel Eilers“ (1963 abgerissen) und dem noch heute existierenden Königlichen Forsthaus aus dem Jahre 1772 an der Sachsenhausener/Ecke Bernauer Straße. Er hat zu sämtlichen (!) Oranienburger Brücken recherchiert und veröffentlicht, zuvorderst zur bekanntesten, der Schlossbrücke, die an dieser Stelle schon den Havelübergang des mittelalterlichen Bötzow darstellte.

Die Geschichte der 1872 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Oranienburg interessierte ihn ebenso, wie die der Vegetarischen Obstbaukolonie Eden, welche seit 1883 bis heute besteht sowie die Oranienburger Straßennamen … die stadtgeschichtliche Themenreihe ließe sich fast endlos fortsetzen. Nicht unerwähnt bleiben dürfen jedoch seine Forschungen zum Oranienburger Lehrer, Heimatforscher und Begründer des Oranienburger Museums Max Rehberg und seine Fleißarbeit bei der Sichtung fast sämtlicher (!) historischer  Ausgaben des 1859 gegründeten Oranienburger Generalanzeigers (erschienen bis 1945; neu begründet 1990).

Als wichtige Veröffentlichungen sind das im Jahre 2004 erstmals erschienene Heimatbuch „Bothzowia“, das ohne die unermüdlichen Bemühungen von Bodo Becker und seiner wenigen Mitstreiter nicht zustande gekommen wäre, sowie die 2016 von der Stadt Oranienburg anlässlich ihres Jubiläums der urkundlichen Ersterwähnung herausgegebene Festschrift „800 Oranienburg“, für die Bodo Becker als Redaktionsmitglied und Autor vieler Beiträge mitverantwortlich zeichnete.

Neben seinen vielen regionalhistorischen Schriften popularisierte Bodo Becker sein profundes Wissen in zahlreichen Vorträgen, Lesungen und stadtgeschichtlichen Führungen für ein interessiertes Laienpublikum. Er vermochte es hervorragend, aus trockenen geschichtlichen Fakten und Zahlen eine verständliche und kurzweilige Erzählung zu machen. Für dieses Engagement wurde er im Jahre 2018 mit dem Ehrenamtspreis des Landkreises Oberhavel und der Mittelbrandenburgischen Sparkasse geehrt.

Bodo Becker war ein unermüdlicher Forscher, er war aber auch ein ausgesprochen sympathischer und aufrichtiger Mensch, Kollege und Freund. Er hielt mit seiner Meinung nie hinter dem Berg und verstand es, bei Meinungsverschiedenheiten moderierend zu vermitteln, er konnte argumentativ überzeugen, wenn es um sein Anliegen ging, die Heimatgeschichte.

Bodo Becker und seine Verdienste bleiben unvergessen – ihm gebührt ein ehrendes Gedenken.  

 


Manuela Vehma ist Historikerin mit einer tiefen Verbindung zur Region Oberhavel und zur Stadt Oranienburg. Sie leitete das Regionalmuseum Oberhavel und hat zahlreiche Publikationen zur Regional- und Kulturgeschichte veröffentlicht.