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Zahlreiche Oranienburgerinnen und Oranienburger kamen am 8. November zusammen, um der Opfer der sogenannten Reichspogromnacht zu gedenken. Gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde und den christlichen Gemeinden in der Stadt begrüßte Bürgermeister Alexander Laesicke auch in diesem Jahr wieder viele Gäste am Standort des ehemaligen Jüdischen Bethauses in der Havelstraße.

Die Erinnerung an den 9. November 1938 ist ein fester kultureller Bestandteil in der Stadt. Dabei steht das Erinnern an das Leid, das jüdischen Menschen auch in Oranienburg widerfahren ist, im Mittelpunkt des Gedenkens. Auch hier entlud sich der Hass gegen Juden in Gewalt. Sie wurden auf offener Straße angegriffen, ihre Wohnungen und Geschäfte verwüstet. Auch das Jüdische Bethaus und der Friedhof der Gemeinde wurden geschändet.

„Was einmal tief empfundene Wahrheit war, ist heute zunehmend Diskussionsgegenstand“, so Bürgermeister Alexander Laesicke in seiner Begrüßungsrede. „Und was einmal möglich war, ist auch heute wieder möglich. Umso wichtiger ist es, dass wir hier zusammenstehen. Wir sind dafür verantwortlich, das an die nächste Generation weiterzuvermitteln, was damals geschehen ist.“

Diesjähriger Gastredner beim Gedenken war Andreas Büttner, Beauftragter zur Bekämpfung des Antisemitismus im Land Brandenburg, der sich zutiefst schockiert über die jüngsten Ausschreitungen in Amsterdam gegen Jüdinnen und Juden zeigte. „Das zeigt uns, wie schnell eine Gesellschaft ihre Menschlichkeit verlieren kann. Wir müssen dringender denn je an die Pogrome von vor 86 Jahren erinnern. Doch es reicht nicht aus, nur zu erinnern. Wir müssen verstehen, was damals geschehen ist und in unser heutiges Handeln integrieren.“

Schülerinnen und Schüler des Runge-Gymnasiums und der Torhorst-Schule verlasen Berichte von Augenzeugen der Reichspogromnacht. Das gemeinsame Gedenken endete mit einem Gebet durch Landesrabbiner Ariel Kirzon, Kranz- und Blumenniederlegungen sowie einem Besuch des Jüdischen Friedhofs in der Kremmener Straße.

Schon gestern hatte der Bürgermeister gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteher Dirk Blettermann und Schülerinnen und Schülern des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums die Stolpersteine in der Bernauer Straße 2 gereinigt. Sie erinnern an die jüdische Familie Abraham, die hier 30 Jahre lang ein Bekleidungsgeschäft betrieb. Gut 70 Stolpersteine, die an ermordete und vertriebene Jüdinnen und Juden erinnern, finden sich im Oranienburger Stadtgebiet.

 

 Hintergrund Pogromnacht 

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 setzten Nationalsozialisten und ihre Helfer in ganz Deutschland vor aller Augen Synagogen in Brand. Sie misshandelten jüdische Bürgerinnen und Bürger und demolierten deren Geschäfte und Wohnungen. Während und unmittelbar in Folge der Ausschreitungen kamen weit über 1.300 Jüdinnen und Juden zu Tode.

Auch in Oranienburg griffen Schlägertrupps Wohnungen und Geschäfte von Jüdinnen und Juden an und zerstörten sie. Sie schändeten Gräber auf dem jüdischen Friedhof und verwüsteten das jüdische Bethaus in der Havelstraße, das später geschlossen und zwangsverkauft wurde. Zudem verschleppten die Nationalsozialisten in den Tagen nach den Pogromen 27.000 jüdische Männer in Konzentrationslager.

 


 

 

08.11.2024