Baubeginn für die Neugestaltung des Erinnerungsortes KZ Oranienburg
Vom Mauerrest zu einem Ort des Gedenkens: In dieser Woche ist Baubeginn für die Neugestaltung des Erinnerungsortes KZ Oranienburg in der Berliner Straße.
Eine rund 60 Meter lange historische Mauer in der Berliner Straße ist der letzte Überrest des ehemaligen Konzentrationslagers Oranienburg. Seit einiger Zeit arbeitet die Stadtverwaltung auf Initiative engagierter Bürgerinnen und Bürger und politischer Beschlüsse der Oranienburger Stadtverordneten gemeinsam mit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten daran, den seit DDR-Zeiten bestehenden Gedenkort neuzugestalten. Mit Bildern und Texten auf Stelen soll vor der historischen Mauer die Geschichte des Konzentrationslagers, seiner Insassen und der dort zu Tode gekommenen erzählt und ihrer gedacht werden. Nach jetzigem Stand ist in der kommenden Woche offizieller Baubeginn. Die Eröffnung ist für November geplant.
Neben der Open-Air-Ausstellung ist an der historischen Mauer ein Gedenkbereich für den Schriftsteller Erich Mühsam, der 1934 im KZ Oranienburg ermordet wurde, vorgesehen. Eine Kombination aus Sitzbank und Hochbeet soll zudem zum Verweilen einladen. Als besonderes Ausstellungsobjekt ist ein übergroßer, circa zehn Meter langer Schriftzug „Erinnerungsort Konzentrationslager Oranienburg 1933-1934“ vorgesehen. Auf einem Infopult sollen topografische Informationen zum historischen Lagergelände vermittelt werden, außerdem ist eine begleitende Webseite geplant.
„Mit dem Baustart wird ein wichtiges Vorhaben für unsere Stadt sichtbar. Ich freue mich, dass wir diesen Erinnerungsort nun gemeinsam mit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten realisieren können. Für Oranienburg gehört das Erinnern an die Verbrechen des Nationalsozialismus zu unserer dauerhaften Verantwortung, die Neugestaltung ist ein großer Schritt für unsere Gedenkarbeit und die künftige Erinnerungslandschaft unserer Stadt“, so Christoph Schmidt-Jansa, stellvertretender Bürgermeister.
Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten ergänzt: „Mit dem neuen Gedenkort und der Freiluft-Ausstellung wird der historische Ort des KZ Oranienburg wieder sichtbar gemacht. Die frühen Konzentrationslager zeigen, dass diese Haftstätten der Nationalsozialisten von Anfang an rechtsfreie Räume für ungehemmten Terror, Gewalt und Mord waren. Was hier begann, endete in Sachsenhausen und Auschwitz. Wir danken den engagierten Bürgerinnen und Bürgern und der Stadt Oranienburg, dass es bald im Zentrum der Stadt einen Ort geben wird, der dazu einlädt, sich mit diesem Kapitel der Stadtgeschichte auseinanderzusetzen.“
Das Budget für das Projekt beträgt 425.000 Euro. Es wird mit rund 283.000 Euro durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung mit dem Programm „Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert. Über 100 Bewerbungen gingen dafür beim Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ein. Oranienburg setzte sich als eine von deutschlandweit 17 Städten durch.
Hintergrund KZ Oranienburg
Das KZ Sachsenhausen war nicht das erste Konzentrationslager im Stadtgebiet. Bereits 1933 wurde das KZ Oranienburg als erstes Lager seiner Art in Preußen eingerichtet. In der Berliner Straße auf dem Gelände einer früheren Brauerei wurden vor allem politische Gegner des NS-Systems, speziell Sozialdemokraten und Kommunisten, aber auch jüdische Gefangene inhaftiert. Die Nazis nutzten das KZ als Propagandastandort, um Besuchern aus dem In- und Ausland die vermeintlich „mustergültigen“ Haftbedingungen zu präsentieren. Die Einrichtung bestand zwei Jahre von 1933 bis 1934. Von den rund 3000 Inhaftierten kamen mindestens sechs Häftlinge um.


