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28.10.2026

Gleichstellung betrifft uns alle - Cindy Fehle ist neue Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Oranienburg

Ein schlecht beleuchteter Weg, auf dem sich Frauen unwohl fühlen. Rollenbilder, die Kinder schon früh einengen. Gewalt gegen Frauen, die noch immer allzu oft als private Angelegenheit behandelt wird: Gleichstellung hat viele Facetten. Cindy Fehle möchte sie alle in den Blick nehmen. Seit dem 1. September ist die studierte Diplom-Betriebswirtin Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Oranienburg. 

Zuvor war Cindy Fehle viele Jahre in der Bankenwelt tätig, zuletzt bei der Deutschen Kreditbank (DKB), wo sie ein IT-Team leitete und sich unter anderem für Frauenförderung und Konfliktmanagement engagierte. Nun möchte sie ihre Erfahrungen nutzen, um Gleichberechtigung, Chancengleichheit und Vielfalt in Oranienburg weiter voranzubringen.

„Die Stadt muss für alle da sein“, sagt Fehle, die im sächsischen Bautzen aufgewachsen ist. Für sie beginnt Gleichstellung bei ganz praktischen Fragen: Profitieren Frauen und Männer gleichermaßen von städtischen Angeboten und Fördermitteln? Fühlen sich Mädchen und Frauen im öffentlichen Raum sicher? Gibt es Orte, die Mädchen und Frauen aus Angst meiden, etwa weil sei schlecht beleuchtet sind? „Eine Stadt sollte so gestaltet sein, dass sich alle Menschen sicher und willkommen fühlen, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer ethnischen Herkunft, Religion oder einer Behinderung“, sagt Cindy Fehle. Gleichstellung müsse deshalb bei Planungen von Anfang an mitgedacht werden.

Besonders am Herzen liegt der neuen Gleichstellungsbeauftragten der Schutz von Frauen vor Gewalt. Wie wichtig ihr das Thema ist, soll auch ihr erster großer Aktionstermin zeigen. Am 25. November, dem »Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen« lädt sie im Namen der Stadt Oranienburg um 9 Uhr zur gemeinsamen Fahnenhissung mit Ansprache auf dem Schlossplatz ein. Mit ihrer Beteiligung an der weltweiten Kampagne von UN-Women »Orange the World – Färb die  Welt orange« setzt die Stadt Oranienburg seit Jahren ein sichtbares Zeichen gegen häusliche und sexualisierte Gewalt gegen Frauen. Eine ganztägige Installation auf dem Schlossplatz soll diesmal zusätzliche Aufmerksamkeit schaffen und zum Austausch anregen.

Cindy Fehle ist es wichtig, Gewalt gegen Frauen nicht als rein private Angelegenheit zu betrachten. Gemeinsam mit Polizei und Konfliktberatungsstellen tauscht sie sich in einer Arbeitsgruppe darüber aus, wie Schutzmöglichkeiten verbessert werden können. Zugleich möchte sie das Bewusstsein für die Ursachen von Gewalt stärken. „In Brandenburg sind allein in den letzten zwei Monaten zwei Frauen von ihren Partnern oder Expartnern getötet worden, weil sie sich trennen wollten. Mir ist wichtig, das Bewusstsein dafür zu stärken, dass Gewalt gegen Frauen strukturelle Ursachen hat und uns alle angeht.“

Auch digitale Gewalt trifft Mädchen und Frauen in besonderem Maß und führt häufig dazu, dass sie ihre Meinungen nicht mehr öffentlich äußern, sich aus sozialen Medien zurückziehen oder sogar politische Ämter aufgeben „Das ist fatal, denn dadurch gehen die Perspektiven von Frauen und Mädchen verloren“, so Fehle. Auch auf diese und andere Formen geschlechtsspezifischer Benachteiligung möchte sie stärker aufmerksam machen.

Der Einfluss von Geschlechterrollen und geschlechtsspezifischen Zuschreibungen beginnt früh. „Mich stört, wie früh Kinder in Geschlechterschubladen gesteckt werden“, so die Gleichstellungsbeauftragte. Schon Spielzeug, Kleidung und vermeintlich harmlose Alltagssituationen vermittelten häufig, was angeblich typisch für Mädchen oder Jungen sein soll. Bei einem Kindergeburtstag habe sie beispielsweise erlebt, wie Kinder ganz selbstverständlich zu einem Spiel nach dem Motto „Jungs gegen Mädchen“ aufgefordert wurden. Gemeinsam mit der Kinder- und Jugendarbeit möchte sie deshalb dazu anregen, Rollenbilder frühzeitig zu hinterfragen und Kindern mehr Freiräume zu eröffnen.

Als Gleichstellungsbeauftragte ist Cindy Fehle sowohl Ansprechpartnerin für die Beschäftigten der Stadtverwaltung als auch für die Bürgerinnen und Bürger. Sie steht bei Fragen zu Gleichstellung und Diskriminierung zur Verfügung, hört zu und vermittelt bei Bedarf an geeignete Beratungs- und Hilfsangebote. Für die Beschäftigten nimmt sie außerdem Beschwerden nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG, entgegen, das vor Diskriminierung am Arbeitsplatz schützt. Darüber hinaus ist sie an Bewerbungsverfahren beteiligt und achtet darauf, dass bei der Besetzung von Stellen bei der Stadt Gleichstellungsgesetze und Chancengleichheit für alle Geschlechter berücksichtigt werden.

Ihr persönliches Motto „Mit Herz und Haltung“ bringt auf den Punkt, was sie antreibt: „Ich mache diese Arbeit, weil sie meinen Grundwerten entspricht und mein Herz dafür brennt.“ Gleichzeitig brauche es mehr als gute Absichten, sagt Fehle: „Es braucht eine klare Haltung – und die Bereitschaft, für diese Haltung auch einzustehen.“